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Heiße Suppe, warme Worte

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Heiße Suppe, warme Worte
Reportage Obdachlosenhilfe Seite 2

Erster Halt: Wed­ding!

Wir fahren zum Leo­pold­platz. In den beiden Autos ist kaum Platz für Mit­fahrer. Eines ist voll­ge­packt mit Le­bens­mit­teln, das an­dere mit Klei­dung. Be­reits nach kurzer Zeit haben sich ei­nige Ob­da­chlose ver­sam­melt. Sie wissen, wann die Helfer kommen. Viele kennen den Ve­rein. Als der erste Ans­turm vorüber ist und Ruhe ein­kehrt fällt mir auf, dass ich die anfän­gli­chen Be­denken über meine persön­liche Hemm­sch­welle ganz ver­gessen habe. Dieser Start war tatsä­chlich ein­fach.

Als ich zu­sammen mit Martin Tee aus­gebe, erzählt ein Ob­da­chloser, er sei ei­gent­lich nur für einen Behör­dern­be­such nach Berlin ge­kommen, mit wenig mehr als dem Geld für seine Rü­ck­fahrt ins Ruhr­ge­biet. Doch nun sei er bes­tohlen worden. „Warte, wir haben da eine Liste mit An­lauf­stellen. Ich sehe mal, was ich für dich tun kann.“ Auch die Wei­ter­ver­mit­tlung an an­dere Hilf­sor­ga­ni­sa­tionen oder No­tun­terkünfte gehört zur Auf­gabe der Ob­da­chlo­sen­hilfe. Martin schickt den Mann zur Bahn­hof­smis­sion, viel­leicht kann man ihm dort helfen. Um das Auto mit der Klei­dung hat sich inz­wi­schen eine Traube von Men­schen ver­sam­melt. Eine Frau wird lauter, weil sie warten muss. „Bitte stellt euch doch in einer Reihe auf, damit wir na­chei­nander schauen können, was ihr braucht! Ihr kommt doch alle dran!“ Das hilft, geordnet geht es weiter.

Win-Win für alle – auch die Po­lizei

Später be­gleite ich ei­nige Helfer in der U-Bahn zum Alexan­der­platz. Am Ro­sen­thaler Platz ma­chen wir einen Zwi­schens­topp und ver­teilen auch hier Tee und Brote. Eine Ob­da­chlose, die schon be­kannt ist, erzählt uns, sie könne bald eine Woh­nung be­kommen. Ich schaue meine Mi­thelfer an, die alle lä­cheln. Mir geht es nicht an­ders, auch wenn ich die Frau zum ersten Mal sehe. Noch etwas mo­ti­vierter ziehen wir weiter.

Am Alexan­der­platz be­ge­gnen uns als Erstes Si­che­rheits­mi­tar­beiter der Bahn. Ein Helfer spricht sie an: „Wir sind von der Ber­liner Ob­da­chlo­sen­hilfe und stehen in der nächsten Stunde am Fern­seh­turm mit warmer Suppe. Schi­cken Sie die Ob­da­chlosen gerne zu uns!“ Der Mann nickt. „Alles klar, wie ges­tern.“ Die Ob­da­chlo­sen­hilfe ist be­kannt. „Un­sere Hilfe ist gerne ge­sehen, auch bei der Po­lizei. Wenn die Ob­da­chlosen etwas im Magen und je­mandem zum Reden haben, geht es fried­li­cher zu.“ Und da schaut man auch mal nicht so genau hin, wenn die Autos der Helfer im Hal­te­verbot mitten unter dem Fern­seh­turm stehen, wird mir mit einem Au­genz­win­kern ver­si­chert.

Am Ende alles richtig ge­macht

Auch am Alex finden sich be­kannte Ge­sichter. „Da fehlen doch ei­nige! Habt ihr die an­deren ge­sehen?“ Man küm­mert sich um die Gäste und sorgt sich, wenn je­mand fehlt. Bei der Tour um den Platz treffen wir nur we­nige Hilf­sbedürf­tige. Für einen Ob­da­chlosen kommen wir im fal­schen Mo­ment. „Das ist ge­rade meine Haupt­ver­dienst­zeit, am Abend vor dem Kino.“ Später be­sucht er uns doch, um tro­ckene Klei­dung ab­zu­holen.

Ei­nige Helfer fahren weiter zum Kott­busser Tor, doch ich ver­lasse hier nach sechs Stunden die Tour. Falls die Le­bens­mittel nicht voll­ständig auf­ge­braucht werden, bringt man den Rest später zum Flücht­ling­scamp am Ora­nien­platz, weg­ges­ch­missen wird nichts. Ich ve­rab­schiede mich von der Gruppe und gehe zur Bahn. In mir bleibt ein gutes Gefühl zurück, heute etwas rich­tiges getan zu haben. Und die Er­kenntnis, dass Helfen tatsä­chlich ganz ein­fach ist.

Ho­me­page der Ber­liner Ob­da­chlo­sen­hilfe

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